Irene Geisseler
Mit verschiedenen Medien wie Fotografie, Video, Malerei, Installationen oder als Erzählperformerin kann ich diese neu interpretieren und so andere an den Geschichten teilhaben lassen.
Performance
Kunsthoch 2019
Fotos: Boris Brüggisser
Videoperformance: 2 min.02 sek.
Tisch, weisses Tischtuch, Kaffeegeschirr, Zuckerdose und roter Nagellack.
Liebevoll wird ein Kaffee-Tisch gedeckt. Dann lackiert sich „Martha“ auf einem Teller die Zehennägel mit
Zucker zwischen den Zehen, welche sie nach getaner Arbeit wieder zurück in die Dose legte. An einem Sonntagabend, gipste ich mir spontan meine Hände in Tetratüten ein. So war es mir unmöglich, zu kochen, Wäsche zu bügeln, oder gar selbst zu essen. Ich machte mich selber handlungsunfähig. Damit zwang ich mich, die Rolle der Magdalena einzunehmen.
Diese Arbeit entstand in der Auseinandersetzung mit meiner Rolle als Mutter, Hausfrau und Studentin. Dazu liess ich mich von der Legende der heiligen Martha aus Bethanien inspirieren. In jener Legende besucht Jesus die Geschwister Martha, Lazarus und Magdalena. Martha deckt sofort den Tisch mit Speis und Trank für den Gast. Magdalena hingegen lauschte seinen Geschichten. Martha wird von Jesus getadelt, dass sie statt seinen Geschichten zuzuhören, gearbeitet hat. Die heilige Martha wird als Schutzpatronin der Hausfrauen und Kellnerinnen verehrt.
Diese Legende irritiert auf den ersten Blick.
„Jesus! Weisst du es nicht zu schätzen, wenn gut gemeinte Arbeit verrichtet wird?“ Auf den zweiten Blick wird erst klar, dass er damit meinte, dass Martha sich auch mal eine Pause gönnen soll.
Entstanden sind eine Videoperformances, eine Liveperformance und eine Steinskulptur, welche stark durch meine persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen geprägt sind.
Erzählperformance & Schrankinstallation mit diversen Gegenständen
2015
Ich erzähle „Geschichte“.
Alle meine gesammelten Dinge enthalten eine eigene Biografie und Geschichte. Während der Erzählperformance nehme ich Dinge aus der Schrankinstallation und lasse das Publikum an meinem Wissen teilhaben.
Fotografie: Jolanda Eprecht
Erzählperformance Messehalle Luzern, 2016
Fotografie: Jolanda Eprecht
Installation
Master of Arts in Fine Artsm Major Critical Image Practices
Hochschule Luzern Design und Kunst, 2018
Fotografie: Jolanda Eprecht, Jannis Geisseler, Rafael Schneuwly
Master of Arts in Fine Arts Major Critical Image Practices
Hochschule Luzern Design und Kunst, 2018
Im Herbst 2015 wurde in einer Luzerner Landgemeinde ein sehr altes Bauernhaus abgebrochen. Ich habe mit der Besitzerfamilie Kontakt aufgenommen und die Erlaubnis bekommen, dieses Ereignis fotografisch festhalten zu dürfen. Entstanden ist eine Sammlung von Fotografien, Videos, Geschichten, Artefakten und Interviews.
Zwei Wochen vor Beginn der Abbruchtätigkeiten begann ich mit der fotografischen Dokumentation. Ich durfte mich im Bauernhaus frei bewegen, das Haus sei leer. Für mich aber war das Haus überhaupt nicht leer! Die zurückgelassenen Dinge, welche für die Familie unbrauchbar waren oder schlicht und einfach kein Platz zum Verstauen mehr war, übten auf mich eine riesige Faszination aus. Während diesen zwei Wochen sammelte ich viele interessante Relikte.
In einer Welt, in der ständig neue Gegenstände hergestellt werden, uns aber so wenige ans Herz wachsen bevor sie schon wieder ersetzt werden, sind für mich die Relikte aus vergangenen Zeiten wertvolle Zeugnisse und von grosser kultureller Bedeutung. Die Erkenntnis, dass ich als Bewahrerin von Dingen und den damit verbundenen Erinnerungen diesen eine grosse Aufmerksamkeit schenke, erscheint mir wichtig. Es ist eine Sammlung von Dingen, die ein Konzentrat an Erinnerungen, Entbehrungen, Freuden, Frömmigkeit und vielem mehr beinhalten. Es ist mir ein Bedürfnis, diese Gegenstände samt ihren Inhalten für die Nachwelt zu erhalten. Mit verschiedenen Medien wie Fotografie, Video oder als Erzählperformerin kann ich diese neu interpretieren und so andere an den Geschichten teilhaben lassen. Das Entdecken, Aufheben, Bewahren Arrangieren, Ordnung schaffen und Strukturieren erlebe ich als kreativen Akt. Das Tun ist wertvoll, gleich einem kindlichen Spiel, ohne dessen absichtsloses Experimentieren kein Erfindergeist entstehen oder Neu-Entdeckungen gemacht werden können. Als Sammlerin und Bewahrerin rette ich Dinge, damit sie ihre Lieder weiter singen und so imstande sind, uns Menschen mit einem Zauberwort neue Erfahrungsräume zu öffnen.
Meine Interessen an der Vergangenheit, die Sammlungen verschiedener Artefakte bis zur Transformation zu Semiophoren im musealen Kontext, lassen sich in verschiedenen Bereichen verorten. Ich sehe mich als Forscherin, die vergangene Zeiten auskundschaftet, ja, ihnen auf den Grund geht, als Archäologin, die mit Ausgrabungen Dinge freilegt und ans Tageslicht bringt, als Ethnologin, die frühere Leben in bestimmten Milieus erkundet und als Geschichtenerzählerin, die das Geschehen früherer Erlebnisse nochmals erlebbar macht und dadurch neue Erfahrungsräume schafft. Die obige Aufzählung führt mich zur Erkenntnis, dass meine Haltung als Bewahrerin all meine Neigungen umfasst. Es ist für mich eine tief von innen motivierte Haltung, die Dinge mit ihrer unverwechselbaren Kraft und Aura
zu bewahren.
Videoinstallation auf Tischplatte 47 x 84 cm , (Video-und Audioloop 6 Minuten)
Fotografie: Irene Geisseler
In der Videoinstallation sieht man Hände von zwei alten Menschen, welche am Auskernen von Erbsen sind. Das ist eine traditionelle Arbeit um das Saatgut für den nächsten Frühling zu gewinnen. Ende und Neubeginn.
Die zweiteilige Installation besteht aus einer Videoprojektion auf einen Tisch und einer Installation im Schrank mit Gegenständen aus der Vergangenheit. Diese Arbeit resultiert aus meinem Interesse für Geschichten und einer Sammlung von Gegenständen aus dem Alltag meiner Familie. Dreh-und Angelpunkt ist das Miteinander am Küchentisch wo Geschichten erzählt werden.
Seit Jahren sammle ich Gegenstände und Fragmente von Dingen, welche mir der Dorfbach
„in meinen Garten“ spült. Sie stammen von einer Abfalldeponie, wie sie bis vor 40 Jahren gang
und gäbe war. Alles wurde in einem Bachtobel entsorgt. Im Lauf der Zeit wurden diese freigespült und nach und nach im Wasser mitgetragen.
Innerhalb dieses gestalterischen Prozesses bin ich gedanklich verschiedenen Spuren nachgegangen. Wie ist es, wenn ich selbst zum Ding werde? Welche Geschichten bergen diese Dinge?
Diese Dinge im Bach stehen für mich als Symbol einer vergangen Epoche unserer Dorfgeschichte. Für die damaligen Besitzer wurden die Artefakte als wertlos erachtet und somit zu Müll. Jahrzehnte später sehe ich mich im Sammeln dieser Fragmente als Schatzfinderin. Jedes Objekt hat seine Geschichte. In den Dingen sind der Raum und die Zeit verdichtet und konserviert. Sie schlagen eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart.
Fotografie: Jannis Geisseler
Einige Bildinspirationen für die Malerei stammen aus einem Album mit Postkarten, welche um die 100 Jahre alt sind. Es ist die spezielle Stimmung zwischen Melancholie und einer subtilen Erotik, die mich interessierten. Sie dienten mir als Ausgangslage zur Bildgestaltung. Andere Motive entstanden aus einer Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ und dieses wird im Tupfenmuster widerspiegelt.
Es galt eine Verbindung zwischen den Leerstellen und der bemalten Fläche herzustellen. Die Leerstelle ist der Blumenstoff; also ist sie nicht leer! Die unbemalte Fläche wird zur Negativform und das Motiv erscheint dem Auge des Betrachters nicht auf Anhieb.
Das Bild „die Krähen“ entstand nach einer Fotografie von Lisa Meyerlist.
Die Blumen stehen für Jugendlichkeit und Frische. Doch im Bild tragen alte Frauen durch die Leerstellen blumige Kleider oder Strümpfe. Die Frauen werden durch die rote Bank miteinander verbunden. Über ihnen fliegen Krähen. Die Krähen erscheinen ihrerseits als kompakte Gestalt. Sie können als Symbol des Todes gelesen werden. Oder sind vielleicht doch die Frauen die Krähen? Indem die Frauen dem Betrachter den Rücken zudrehen, entsteht eine wohltuende Distanz.
Fotografie: Jolanda Eprecht
Skizzen
Fotoband: Viehschau
Fotoband: Gant
Kontakt
Am besten schreibt ihr mir auf Whatsapp eine Nachricht oder eine Email.
Ich freue mich auf euch!
Irene Geisseler
079 874 38 98
irene.geisseler@bluewin.ch
Medienbericht: Anzeiger vom Rottal